Serious Game zum Thema Krankenmord in der NS-Zeit

„Spuren auf Papier“ ist ein Serious Game der Gedenkstätte Wehnen, das sich mit dem Thema Krankenmord während des Nationalsozialismus auseinandersetzt. Das Onlinespiel ermöglicht eine ortsunabhängige Annäherung an ein historisch und emotional anspruchsvolles Thema. Es ersetzt keinen Besuch an einem historischen Lernort, kann aber zur Vor- oder Nachbereitung eines Gedenkstättenbesuchs oder als Einstieg in die Auseinandersetzung mit NS-Gesundheitspolitik genutzt werden.
Im Zentrum steht ein fiktives, aber an reale Biografien angelehntes Patientinnenschicksal. Die Spielenden folgen der Geschichte der Patientin Anna und erschließen sie über Zeichnungen, Hinweise und historische Dokumente. Die historischen Informationen erscheinen dabei nicht nur als erklärender Begleittext, sondern sind in die Spielhandlung eingebettet. Dadurch entsteht ein Zugang, der erzählerisch, dokumentarisch und interaktiv zugleich ist.
Das Gameplay ist ruhig und niedrigschwellig angelegt. „Spuren auf Papier“ funktioniert als interaktive Graphic Novel mit Point-and-Click-Elementen: Die Spielenden blättern durch eine gestaltete Dokumentenwelt, klicken Hinweise an und setzen die gefundenen Spuren nach und nach zu einem Gesamtbild zusammen. Im Vordergrund stehen genaues Hinschauen, Lesen und Deuten, nicht Tempo, Punkte oder Wettbewerb.

Für den Unterricht können Erinnerungskultur, Nationalsozialismus, Ausgrenzung, Menschenwürde und der Umgang mit Quellen thematisiert werden. Die Spielenden müssen aufmerksam lesen, Spuren deuten und historische Zusammenhänge erschließen. Dadurch kann das Spiel nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Fragen anregen:
- Wie wurden Menschen in der NS-Zeit abgewertet?
- Welche Rolle spielten Institutionen, Sprache und Verwaltung?
- Wie können Dokumente helfen, individuelle Schicksale sichtbar zu machen?
Didaktisch sollte „Spuren auf Papier“ gut eingebettet werden und verlangt eine behutsame Vorbereitung, klare Gesprächsregeln und ausreichend Zeit für Nachbesprechung. Besonders sinnvoll ist der Einsatz ab der Sekundarstufe, etwa im Geschichts-, Ethik-, Religions- oder fächerübergreifenden Unterricht. Das Spiel ist vor allem für ältere Jugendliche ab 15 Jahren geeignet.
Zusatzmaterialien wie ein eigenes Handbuch sowie Arbeitsblätter bieten Lehrenden eine didaktisch-methodische Orientierung und Unterstützung.
Ein Trailer gibt Einblicke in das Gameplay:
Eine ausführliche Rezension der Stiftung Digitale Spielekultur bietet eine tiefergehende Einordnung.




